Ich zeige es Euch!



„Ich zeige es Euch!“


Bericht über das Coaching und die systemische Aufstellung mit einem 3 jährigen Mädchen!


Es ist Januar 2003 als ich, bis dahin mein berührendstes und tiefgreifendstes Erlebnis in meiner Praxis, mit einem dreijährigen (3) Mädchen – eine systemische Familienaufstellung incl. Coaching des Vaters – machen durfte.

Bevor ich jedoch über diesen Termin in allen Einzelheiten berichte, gehe ich einige Wochen zurück. Damals hielt ich als Heilpraktiker Informationsabende in Kindergärten. Einfach um den Müttern aufzuzeigen, was ihre Kinder belasten kann und was die Gründe für das eine oder andere Unwohlsein sein können. An solch einem Informationsabend saß im Zuhörerraum ein Mann! Ich dachte: Hoppla, ein Vater interessiert sich für die Gesundheit seines Kindes, das ist ja toll, da ansonsten bei den Vorträgen ausnahmslos Mütter anwesend waren.


Dieser eine Mann rief mich einige Tage später an und wollte einen Coaching-Termin bei mir. Ihm hätte die Darstellung meiner Arbeit gefallen und er wollte gerne zuerst einmal für sich selbst nach einem Anliegen schauen lassen. Er war Skifahrer und Drachenflieger und seit einiger Zeit überkam ihn, wie aus dem Nichts, eine unsagbare Höhenangst, die so stark war, dass er nicht mal mehr in einen Sessellift steigen konnte.
Als dieser Mann nun bei dem Termin vor mir saß und ich ihn genau ansah, stellte ich bei ihm ganz zarte  Gesichtszüge, ein richtig feminines Antlitz fest. Er hatte ein so zartes Gesicht, dass ich nicht mal einen Bartstoppel erkennen konnte.

Bei seinem Termin konnten wir das unter seiner Angst liegende Thema finden und er konnte es loslassen.

Im Anschluss saßen wir noch an meinem Schreibtisch und besprachen einige Dinge. Dabei erzählte er mir, dass seine Frau Ärztin im Spital wäre und sie eine drei jährige Tochter hätten, die durch „In-vitro-Fertilisation“ (künstliche Befruchtung) gezeugt wurde. Sie sei der elfte (11) Versuch gewesen, da alle zehn (10) vorherigen wieder abgegangen seien.

Mir stockte der Atem und mein Herz stand für einen Bruchteil von Sekunden still!

Mit meiner Erfahrung aus dem systemischen Familienstellen, wo immer wieder zusehen ist, was es bedeuten kann, ein Kind zu verlieren, oder es abzutreiben, wodurch die Seele dieses Ungeborenen keinen Platz in dem Familiensystem bekommt, konnte ich fast nicht glauben was ich eben gehört hatte!

Ich zeige es Euch!

Was hatte diese Kleine zu tragen, welch eine Schuld könnte sie auf sich geladen haben, ganz nach der Aussage „ich darf leben, weil ihr gegangen seid!“ Unfassbar dieser Gedanke, dass in der Schulmedizin immer noch nicht die Tatsache akzeptiert wird, dass der Mensch Geist ist, eine Seele hat und in einem Körper wohnt!

Aber gut, diese Eltern, wie gebildet sie auch immer sein mögen, werden bestimmt wissen was sie tun…. oder nicht?

Der Mann war mit meiner Arbeit sehr zufrieden und seine Angst war gänzlich verschwunden, zumindest wenn er an einen Sessellift oder ans Drachenfliegen dachte. Wie es ihm dann wirklich ergehen würde, könnte er erst in der entsprechenden Situation erleben.

Es vergingen etwa drei Wochen, als derselbe Mann wieder anrief. Ihm ging es nach wie vor sehr gut, und deshalb wollte er dieses Mal keinen Termin für sich, sondern für ihre Tochter.

In meinem Kopf wurde es auf einmal ganz klar und ich fragte, „ ja was fehlt denn der Kleinen“, denn schließlich war die Mutter ja Ärztin im Spital und wenn sie dann einen Heilpraktiker konsultieren, wirft das schon mal eine ganz besondere Frage auf!

Darauf sagte der Mann: „die Kleine isst so gut wie nichts mehr, die Kindergärtnerinnen wissen bald nicht mehr, was sie dem Kind noch zum Essen geben sollen. Außer etwas im Jogurt herumstochern und eins oder zwei Spagetti nimmt sie so gut wie nichts mehr zu sich!“
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Die Kleine verweigerte das „Leben“. Sie nahm keine Lebensmittel – den Übermittler des Lebens- mehr zu sich. Wir vereinbarten einen Termin, wovon ich ausging, dass dieses Mal die Mutter mit ihrer Tochter vorbei kommen würde… – Ich zeige es Euch! – Doch das hatte ich nur „gedacht“. Am besagten Termin stand dann der Vater mit seiner drei jährigen Tochter vor der Tür!

Ich konnte es einfach nicht glauben. Eine Frau und Mutter die Ärztin ist, deren drei jähriges Kind fast am Verhungern ist, bringt es nicht fertig zu diesem „für das Kind“ wichtigen Termin zu gehen und schickt den Vater!

Doch was zu dieser „verdrehten“ Rolle führte, sollte ich im Laufe des Termins noch erfahren. ‚Nun gut‘, dachte ich, ‚alles im Universum ist richtig und wichtig, und somit hat diese Konstellation bestimmt auch seine Richtigkeit‘.

Die Kleine war ein Wirbelwind. Von Schwäche oder mangelnder Leistung wegen schlechter Nahrungsaufnahme war bei dem Kind nichts zu spüren, im Gegenteil. Sie fegte wie ein Wiesel durch meine Büro- und Praxisräume und stellte mir so gut wie alles auf den Kopf.

Dass man dieses Kind nicht auf den Schoß setzen konnte um mit ihr therapeutisch zu arbeiten war mir schnell klar. Also musste ich warten und ich wusste, dass meine und somit unser beider Zeit noch kommen würde. Ich unterhielt mich währenddessen mit dem Vater über dieses und jenes und sagte ihm, dass wir einfach warten müssten bis der richtige Zeitpunkt gekommen wäre.

Sie wollte die Malstifte und setzte sich auf den Boden um zu malen. Sie zog alle Schubladen auf und schaute was sich dahinter verbarg. Sie wollte dieses und jenes anfassen, bis auf einmal….und es waren schon gut 20 Minuten vergangen. Sie hatte eine Kiste entdeckt, die in einem Schrank-Regal genau auf ihrer Augenhöhe stand. In der Kiste waren von Playmobil zahlreiche Figuren, die man wunderbar in der systemischen Aufstellungsarbeit benutzen kann.

Ich zeige es Euch!

Jetzt ist die Zeit reif, dachte ich und sagte zu ihr: „schau mal was da für tolle Figuren drinnen sind. Wollen wir beide jetzt damit ein wenig spielen?“ Sie willigte ein – Ich zeige es Euch! – und wir setzten uns auf den Boden und leerten die Kiste aus. Ihr Vater blieb auf seinem Stuhl sitzen der etwa einen Meter linker Hand von mir stand und schaute uns nun zu.

Wir saßen beide auf dem Boden und der Inhalt der Kiste lag vor dem Mädchen. Ich fragte sie: „Möchtest du mir zeigen wer alles zu deiner Familie gehört?“ Sie sagte ja und suchte sofort nach meiner Frage, wer denn von den Puppen ihre Mutter sei, die entsprechende Figur heraus. Ich war doch sehr erstaunt, als die Kleine für ihre Mutter eine Puppe mit schwarzem Frack, Hut und Bart aufgestellt hat. Ihr Vater fiel fast vom Stuhl und wollte gerade Luft holen als ich zu ihm sagte, „bitte seien Sie still, jetzt ist ihre Tochter dran!“ Auf meine Frage wer denn nun ihr Vater sei, zog das Kind eine Puppe mit rosa Kleidchen und blonden langen Haaren. Ihr Vater wurde schon ganz blass!

Hast du noch Geschwister?

Und nun fragte ich das Mädchen, „hast du denn auch Geschwister?“ worauf mir das Kind zur Antwort gab: „Ja“, – Ich zeige es Euch! – und fing an die Kinderpuppen von Playmobil neben ihre Eltern zu stellen. Auch hierauf wollte sich der Vater zu Wort melden, sodass ich ihm absolutes Redeverbot erteilte.

Das Mädchen stellte zehn kleine Puppen neben einander auf den Boden und als sie fertig war, fragte ich sie, „sind dass alle Kinder?“ worauf sie antwortete, „nein, ich fehle noch“.

Mit dem Vater war es nun ganz vorbei und ich dachte er würde gleich vom Stuhl fallen.

Das Kind stellte die elfte  (11te) Figur – mehr hätte ich auch nicht mehr gehabt – neben die anderen und fegte gleich danach alle mit einem großen Wusch wieder vom Boden, stand auf und war wieder der gleiche Wirbelwind wie am Anfang, denn: „Ich zeige es Euch!“

Ich setzte mich wieder an meinen Schreibtisch und sagte zum Vater, „sehen Sie, Ihre Tochter hat Ihnen gezeigt, was in Ihrem Familiensystem nicht in Ordnung ist! Die Kleine braucht keine Therapie, sondern Sie als Eltern müssen die Dinge, die nicht stimmen, wieder in Ordnung bringen und ihre Tochter wird Ihnen augenblicklich zeigen, ob das was Sie tun stimmig ist oder nicht!“

Der Vater war erst einmal fassungslos und ich erklärte ihm den ganzen Sachverhalt und wie sich solche Dinge wie „künstliche Befruchtung“ und „Schwangerschaftsabbruch“ auf das Familiensystem auswirken können. Er verstand was ich sagte, nur wusste er nicht, wie er es seiner Frau sagen oder sogar verständlich machen sollte, was da „energetisch“ auf ihre Tochter einwirkt, da sie ja gegen und für alles eine schulmedizinische Antwort hatte…. Scheinbar!

Er hatte zahlreiche Ideen wie er es ihr beibringen könnte, wobei ich merkte, dass hier nicht die maskuline männliche Energie am wirken war, sondern eher eine Feminine, also die Weibliche Energie. Ich gab ihm verschiedene Tipps, was sie gemeinsam tun könnten, aber er zog fast seinen Kopf zwischen die Schultern, als wenn er sich vor seiner Frau verstecken müsste.

Er fing an von ihr zu erzählen und sagte: „Wissen Sie, der Vater meiner Frau wollte als erstgeborenes Kind nichts lieber als einen Sohn – unbedingt! Es gab für ihn gar keine Alternative als einen Jungen. Als dann meine Frau zur Welt kam und ihr Vater sah, dass es ein Mädchen war, brach für ihn eine Welt zusammen. Er nannte und rief sie ab dem ersten Tag mit dem Namen – Walter – !“

Nun musste ich selbst einmal tief Luft holen und mir fiel es wie Schuppen von den Augen!

Das Unterbewusstsein eines weiblichen Wesens, das seit Lebens mit einem Männernamen gerufen wurde, könnte sich denken: „Ich habe ein Identitätsproblem, anscheinend bin ich ein Mann in einem Frauenkörper“. Diesem Mann, in einem Frauenkörper, bleibt gar keine andere Wahl, als sich eine Frau im Männerkörper zu suchen. Diese beiden wollen nun ein gemeinsames Kind zeugen, woraufhin vielleicht das Leben sagt – Ich zeige es Euch!: „No Go – Ihr beide könnt und dürft überhaupt kein Kind zeugen, bevor Ihr selbst nicht wisst, wer oder was Ihr wirklich seid!“….

Wir verabschiedeten uns und ich hatte das tiefe Gefühl – da ja alles im Universum richtig und wichtig ist, dass wohl alles zum „Wohle“ des Kindes geschehen wird, sonst hätte sie mit ihren drei Jahren nicht so deutlich gezeigt was Sache ist, doch ihre Aufgabe war: „Ich zeige es Euch!“

Ende

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